GOD JUL!!!
26 12 2007Ich möchte gerne ALLEN gaaaaanz frohe Festtage wünschen mit hoffentlich Schnee, aber wenigstens gutem Wetter, viel Ruhe und tollen Geschenken!
Und natürlich einen guten Rutsch!
Kategorien : Norwegen
Ich möchte gerne ALLEN gaaaaanz frohe Festtage wünschen mit hoffentlich Schnee, aber wenigstens gutem Wetter, viel Ruhe und tollen Geschenken!
Und natürlich einen guten Rutsch!
Ich dachte mir, ich könnte einfach mal wieder was hier reinstellen. Und zwar jetzt gleich, sonst vergesse ich das nämlich wieder. Und dann, nach Weihnachten, habe ich auf einmal keine Zeit mehr… In vier Tagen ist schon Weihnachten. Vier Tage nur noch! Die Zeit vergeht hier wirklich selstsam: erst scheint sie zu verfliegen, in den ersten Wochen und plötzlich merkst du, dass du schon zwei Monate da bist, danach vergeht die Zeit uuuunglaublich langsam und dann ist mit einem Schlag Weihnachten. Und danach ist soweiso nichts mehr wie vorher. Die zweite Hälfte des Jahres vergeht dann ungefähr doppelt so schnell, weil man auf einmal sooooo viele Dinge machen will und machen kann, völlig neue Möglichkeiten eröffnen sich… Es ist unglaublich! Ich will noch nach Trondheim, nach Steinkjer, in den Winterferien irgendwo anders hin, Oslo vielleicht, nach Kristiansand, in den Osterferien mit meiner Gastfamilie und Rahel in die Telemark. Und nach den Osterferien sind es nur ein paar Wochen, dann ist schon wieder Pfingsten, und Mama kommt eventuell und dann… dann sind es nur noch fünf Wochen und ich habe Sommerferien. Das ist schrecklich! Ich habe HEUTE Weihnachtsferien bekommen und denke jetzt schon an den Sommer… an Zuhause und auch an den Abschied hier, was mir leicht fallen wird, zurückzulassen, was nicht… Und über all dem schwebt das schreckliche Gefühl des Fernwehs, des Gefühls, sich einfach in den Zug zu setzen und irgendwo hin zu fahren, oder ins Flugzeug, in den Bus, auf die nächste Fähre. Mit dem nächsten Ozeanriesen in die USA, Regina besuchen, oder das nächste Linienschiff nach England oder Dänemark; mit dem nächsten Flugzeug nach London, Rom oder Paris; mit dem Zug nach Helsingborg, Stockholm, Køpenhavn; mit dem Bus nach Oslo, Kristiansand, sogar nach Hamburg. Nur nicht nach Hause will ich jetzt gerade. Ich habe nachgefragt, das Fernweh ist normal. Ich beneide meinen Vater um seine Arbeit, er kann reisen. Er MUSS reisen. Ich weiss, dass das etwas Anderes ist. Aber mein Job muss einfach später etwas mit Reisen zu tun haben, ich will doch noch so viel sehen!
Ich habe es schon Oma und Opa in einer Mail geschrieben, und ich stelle es immer wieder fest: Ich bin ein Kind der Globalisierung. Ich habe das gesamte Angebot an Möglichkeiten, die ganze Welt steht mir offen! Dabei wird die Welt kleiner, nicht unbedingt überschaubarer, aber sie rückt mehr zusammen. In einem einzigen grossen Haufen finden wir auf einmal die Kulturen der Welt direkt vor unserer Haustür, ineinander verbissen, verknäult, vermischt. Das ist Luxus, aber auch gefährlich. Was ich heute mache, in meinem Auslandsjahr, wäre vor zwanzig, dreissig Jahren noch kaum denkbar gewesen, geschweige denn erschwinglich, obwohl es YFU schon seit fünfzig Jahren gibt. Wenn ich Zeit und vor allem Geld hätte, könnte ich die ganze Welt berreisen, ich kann mit meinem Abitur in fast allen Ländern der Erde studieren und auch in vielen hinterher einen Job bekommen. Die Grenzen verschwimmen. Das kleine Lebensmittelladen an der Ecke bietet schon lange nicht mehr nur einfach gute deutsche Hausmannskost an, längst sind Kartoffel und Klösse durch Eiernudeln und Spitzen-Langkornreis ergänzt worden, längst die Himbeermarmelade nach Omas altem Rezept durch Erdnussbutter ersetzt. Das ist die Gefahr. Die Dinge werden nicht nur einfach ergänzt. Sie werden ersetzt. Das ist auch mit unseren anderen Traditionen so. Weihnachtsbräuche, Familientraditionen… Alles weicht einem schnellen, auf Informationen und Konsum ausgerichteten, globalisierten Leben, in dem es keinen Platz mehr für den “alten Müll” gibt. Das ist schade. Wir müssten doch eigentlich sehen können, dass auch unsere gemischte, multikuturelle Gesellschaft auf Traditionen aufbaut. Dabei ist es egal, ob es jüdische, christliche, buddhistische oder islamische Bräuche sind, die Hauptsache ist, dass wir sie uns erhalten. Denn sonst werden wir wirklich zu der Masse von Konsumenten, als die wir so viel angeprangert werden. Wir müssen daran denken, dass wir uns unsere Kultur erhalten, die nicht nur aus Literatur und Kunst besteht. Sondern im Wesentlichen aus Sprache, aus geschichtlichen Aspekten (zu denen ich auch unsere Bräuche zähle) und aus der Notwendigkeit und Schönheit des Lebens an sich. Und das gilt für alle Kulturen, so ähnlich und verschieden sie auch sein mögen. Ich erzähle das alles, weil ich gerade hier in Norwegen ein Weihnachten erlebe, das unglaublich reich an Traditionen und Bräuchen ist, nationaler wie individueller Art. Es ist ein bisschen wie ein Weihnachten, das man vielleicht vor siebzig Jahren in Deutschland gefeiert hat, auch wenn damals wohl noch der kommerzielle, stark auf Konsum ausgerichtete Aspekt fehlte. Trotzdem sehe ich, dass es auch anders geht, traditionsreicher, und ich appelliere deshalb an alle, die das hier lesen (auch wenn es wohl nicht zu viele sein werden): Erinnert euch an die “guten alten” Dinge, singt doch einfach mal ein Weihnachtslied mehr und holt am Heiligen Abend die verstaubte Bibel aus dem Schrank, um das Matthäusevangelium zu lesen. Und Kekse kann man auch nie genug backen. Vor allem nicht mit der Familie.
Frohe Weihnachten.