NORWAY

Norwegen, Land der Gegensätze. Multikulturelle Begegnungen in Oslo oder Bergen und (fast) unberührte Natur in den Regionen der Finnmark und den Fjorden von Troms und Nordland. Vom ruhigen Leben auf dem Dorf bis hin zum “normalen”, schnellen Stadtleben ist alles dabei.

Seit über neun Monaten bin ich jetzt also hier in Norwegen und habe mich ziemlich gut eingelebt. Mich hat es tatsächlich nach Bergen verschlagen; regenreichste “Grossstadt” Europas und wunderschön - wenn man etwas durch die Regenschleier erkennt. Vom Arbeitszimmerfenster aus habe ich einen Blick auf den Bergenfjord, irgendwo weit hinter der Halbinsel auf der anderen Seite liegt das Meer. Das Meer. Ich bin jetzt schon so lange hier und habe noch erst ein einziges Mal das norwegische Meer gesehen, und zweimal vom Flugzeug aus, als ich hergeflogen bin. Traurig, traurig. Aber ich hab ja noch ein bisschen Zeit hier.

Norwegen ist toll, ein Land der fast unbegrenzten Möglichkeiten, die Leute sind nett und haben einen ziemlich eigenwilligen Stil, dem ich mich allerdings schnell angepasst habe. Ich habe übrigens bereits ziemlich zu Anfang meine Gastfamilie gewechselt, vom Kaff Arna fast ins Zentrum von Bergen.

Bergen bei Sonne.

Bergen ist wunderschön, vor allem bei Sonne. Auch wenn das so ziemlich das Unwahrscheinlichste ist, was jemals hier passiert…

["That's impossible!" "Not impossible. Just improbable!"]

["You can't through! Simply impassable!" "You mean: impossible." "No, impassable! Nothing's impossible!"]

Wie gesagt, Bergen ist schön, nur nen bisschen feucht. Ich habe meine Laubfroschoutfit (grüne Regenjacke und grüner Schal) vervollständigt: grüne Gummistiefel und eine grüne Mütze sind jetzt mit von der Partie. Wenn ich jetzt auch noch grüne wasserfeste Handschuhe finde, dann schicke ich euch ein Foto.^^

Überhaupt, viele Dinge hier in Bergen haben ganz eigene Persönlichkeiten. Die Busse zum Beispiel. Es gibt die alten, meist bunten, mit Reißleine statt Stoppknöpfen. Sie schnaufen und mehr als einmal setzen sie auch bei den vielen Steigungen hier in Bergen aus. Die gelben unter ihnen haben amerikanischen Schulbusscharakter. Doch die richtigen Schulbusse hier sind meist die normalen gelben Busse, Ottonormalverbraucher unter den Bussen. Dann sind da noch die neuen, ebenfalls gelben Elektrobusse. Sie machen einen fürchterlichen Lärm, sind aber umweltschonend, genauso wie ihre gelben Brüder, die Gasbusse. Diese sind nun die wirklichen Flitzer unter den Bussen hier in Bergen. Sie rasen durch die City, mit Wimpeln des Fußballvereins FC Brann an den Seiten und einem gerissenen Grinsen auf dem metallenen Gesicht. Sie sind komfortabel und leise und, da mit Gas betrieben, sehr umweltfreundlich. Sie wissen um ihre Vorzüge, denn sie nutzen sie schamlos aus und vermehren sich zusehends. Und natürlich gibt es noch die Anderen hier in Bergen, und das sind eine ganze Menge. Die Anderen, das sind die Tourbusse, die Küstenbusse, silbern, blau oder rot. Ihr Ziel ist lediglich die Innenstadt, sie behindern die anderen kaum. Sie lassen die Einheimischen in Ruhe und die Einheimischen lassen sie in Ruhe. Bis jetzt.
Und natürlich sind da noch die silbernen Taxis, die überall herumflitzen. Aber sie werden von den einheimischen Gelben geduldet und sogar respektiert.
Trotz aller Verschiedenheiten haben alle Busse etwas gemeinsam: sie kommen niemals pünktlich. Es gibt keinen wirklichen Fahrplan, nur die Startzeit ist angegeben. Und selbst diese Zeiten sind eher Richtlinien als wirklich verlässliche Komponenten. Möchte man einen Bus benutzen, muss man ihn heranwinken. Verpasst man das, fährt der Bus durch und man kann eine weitere halbe Stunde auf den nächsten warten. Was mir natürlich in der ersten Woche gleich dreimal passiert ist. Typisch ich.

Bergen hat eine tolle Atmosphäre, ziemlich klein- und studentenstadtmässig, aber gleichzeitig mit einem internationalen Touch. Wenn ich jemals so eine Stadt irgendwo in Deutschland finde, dann weiss ich, dass ich da studieren werde. Ich entdecke übrigens gerade, dass nach der Schule das Leben nicht aufhört. Es fängt dann erst richtig an! Ich freue mich jetzt schon aufs Studieren, auch wenn ich wahrscheinlich ein Jahr länger als die meisten anderen im meinem Jahrgang warten muss, denn meine Leistungen hier sind einfach nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Bisher waren die Unijahre für mich eine diffuse, undurchdringliche Masse, ein seltsam verschwommener Fleck in meinem geistig fertig gestellten Lebenslauf. Jetzt beginne ich tief in meinem Hezen zu begreifen, dass diese Aufgabe zwar nicht mein Leben fordern wird (schliesslich gibt es keinen Ring zu zerstören) aber dass sie einige Jahre meines Lebens fordert - und ich freue mich drauf! Uni, ich komme!! *muahahahaa* Die Frage ist nur, was ich eigentlich studieren werde… *lol* Irgendjemand ne Idee? Ich bin immer offen für konstruktive Vorschläge.^^

Inzwischen habe ich einiges gelernt, im guten wie im schlechten Sinne.

Hier in Norwegen ist vieles gleich und vieles anders. Ich könnte unendlich viel erzählen, und gleichzeitig nichts sagen, und trotzdem würde mich, glaube ich, kaum einer verstehen. Als Erstes: ich bin in Bergen, nicht in Norwegen. Was in Deutschland Bayern ist, ist in Norwegen Bergen. Also Ausland. Die Sachen werden zum Beispiel generell aus Norwegen nach Bergen importiert. Was manchmal ganz lustig sein kann. Bergenser sind grosse Patrioten (nicht Patriotisten, ich weiss, aber ich kann kein skikkelig deutsch mehr…) und nachdem Brann die norwegische Fussballliga gewonnen hatte, gab es tagelang kein Halten mehr. Bergensk, mein Dialekt, klingt wie deutsch und ich muss inzwischen auf der Strasse oft zweimal hinhören, um zu verstehen, dass es kein deutsch ist, was die Leute sprechen. Bergenser reden und reden und reden, es ist unglaublich. Diese Leute hier sind keine Norweger! Wo ist die klischeehafte Verschlossenheit, die man sonst WIRKLICH überall findet? Wo ist das stoische Schweigen, das die Norweger so auszeichnet? Wo ist das konservative Denken, mit dem du überall sonst konfrontiert wirst? Es ist wirklich seltsam. Und besonders. Und genau deshalb liebe ich es hier. Ich könnte mir nicht vorstellen, hier zu leben, zu feucht, aber nochmal wiederkommen werde ich auf jeden Fall. Und ich freue mich jetzt schon drauf. 

 Check the news all over the place, ich werd mich bemühen ab jetzt WIRKLICH regelmässiger zu schreiben.

Vi snakkes und ich freue mich über Post!

Ha det bra

esther^^

2 Antworten zu “NORWAY”

18 11 2007
Regina (07:34:05) :

Esther, ok, we are crazy, we are in one of our wonderful most experience year and we are thinking about going to the university!!
whatever!!!

I like your writing a lot. We have a Creative Writing class in my high school and the REAL AMERICAN YELLOW BUSSES, actually i have someone to take a picture!!! from me an dmy bus driver!!!she lets us eating in the bus, what is not aloud normally :)!!!!

see you
LOVE
nice greets from the United States of America
REGINA

17 03 2008
Janneke (19:45:14) :

Estherlein, ich glaub es nicht. Ich bin restlos begeistert, dass DU diejenige bist, die das alles geschrieben hat und die diese Website gestaltet hat und dass du eine einzigartige Gabe hast, so eindrucksvoll und interessant etwas aus deinem norwegischen Leben zu erzählen. Wirklich ein genialer text!! Ich werde ab jetzt öfter vorbei schauen, um immer auf dem Laufenden zu sein =)

Und noch etwas: vor ein paar Tagen habe ich einen Brief an dich losgeschickt und du glaubst es nicht, er ist wieder zurückgekommen. Er war nämlich ganz unzufrieden mit den Briefmarken…=( Eigentlich wollte ich dir das noch nicht verraten, damit du nicht immer warten musst, aber jetzt kann ich es nicht mehr für mich behalten^^ Es ist etwas drin, womit du absolut überhaupt nicht rechnest :) Lass dich überraschen meine Liebe!
Die liebsten Grüße aus HANNOVER

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